Die Eiszeit!
Gibt’s nicht!
Gibt’s nicht?
Nee, gibt’s nicht – zumindest nicht in der Wissenschaft. Der korrekte Fachbegriff lautet Eiszeitalter – und wir leben gerade in einem! Echt jetzt? Ja tatsächlich. Ein Eiszeitalter ist definiert als Periode, in der beide Pole vereist sind. Und das ist im Moment, trotz menschengemachter Erderwärmung der Fall.
Trotzdem kann aber die Temperatur innerhalb eines Eiszeitalters gewaltig schwanken, diese Abschnitte nennt man dann entsprechend Warmzeit oder Kaltzeit – Eiszeit sagt nur der Volksmund! Und da wir fast ganzjährig in Flipflops vor die Tür gehen können ohne Erfrierungen zu riskieren, leben wir, richtig erkannt, in einer Warmzeit des gegenwärtigen Eiszeitalters. Die trägt übrigens den schönen Namen Holozän-Warmzeit und erwärmt uns und unsere Gemüter nun schon seit ungefähr genau 11.700 Jahren.
Davor war’s kalt bei uns! Richtig kalt! Und das auch noch richtig lang! Die Weichsel-Kaltzeit (im Alpenraum Würm-Kaltzeit genannt) hat über 100.000 Jahre lang für mitteleuropäischen Dauerwinter gesorgt. Die Durchschnittstemperaturen lagen frostige 8 Grad tiefer als heute! Wer die Diskussion um eine globale Erwärmung von 2 bis 3 Grad und die dazugehörenden Katastrophenszenarien verfolgt, kann sich in etwa vorstellen, was 8 Grad weniger bedeuten. Richtig frostig! Ein geschlossener Eispanzer reichte von Norden kommend bis Hamburg, die Alpengletscher schoben sich bis München. Dazwischen war der Boden ganzjährig gefroren, nur im Sommer taute er für einige Monate oberflächlich auf. Keine Chance für Pflanzen mit tief gehendem Wurzelwerk, von Wäldern also keine Spur, Steppe war die Vegetationsform der Stunde.
Trotzdem waren wir schon da! Also wir, der Homo Sapiens. Mitten in dieser letzten Kaltzeit haben wir uns entschieden, unser warmes Afrika zu verlassen und das kalte Mitteleuropa zu erobern. Schon das ein Grund, an der Vernunft des modernen Menschen zu zweifeln? Der Neandertaler jedenfalls könnte skandiert haben: „Der Homo Sapiens gehört nicht zu Deutschland! Balkanroute dicht machen!“ Nun, es kam anders, den Beginn unserer aktuellen Warmzeit hat der Neandertaler leider nicht mehr zusammen mit uns erleben können.
An der Tatsache, dass die warme Periode vor der Weichsel-Kaltzeit – die Eem-Warmzeit – nur knapp 10.000 Jahre lang für wohlige Temperaturen sorgte, können wir ablesen, dass Warmzeiten in der jüngeren Geschichte unserer Erde durchaus als klimahistorische Ausnahmen zu betrachten sind.

Na hoffentlich hat’s unser schönes Holozän nicht ganz so eilig! Warmes Deutschland!


Gelernt aus der Führung zur großen Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein – Wie war die Eiszeit wirklich“ des Staatlichen Museums für Naturkunde in Karlsruhe.

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Sprecherinnen:
Constanze Gerstmayr (Andi)
Isabella Leicht (Tante Caro)