Leichte Sprache, verständliche Sprache, einfache Sprache: Derzeit werden verschiedene Konzepte diskutiert, die Texte besser verständlich machen sollen. Immer mehr Museen setzen sich insbesondere mit der Leichten Sprache auseinander. Ein Grund dafür ist sicherlich § 11 des BGG (Behindertengleichstellungsgesetzes), das Angebote in Leichter Sprache zumindest von Trägern öffentlicher Gewalt einfordert.

Wir haben schon einige Führungen in Leichter Sprache realisiert – nun wollten wir wissen, was die anderen Konzepte bieten. So kam es, dass wir Annika Hörenberg vom Netzwerk verständliche Sprache eingeladen haben, uns zu schulen.

Was ist der Unterschied zwischen Leichter und verständlicher Sprache? Um den Kriterien der Leichten Sprache zu genügen, werden Texte entlang eines klar vorgegebenen, strikten Regelwerks übersetzt. Prüfer aus der Zielgruppe untersuchen sie auf ihre Verständlichkeit hin, bevor sie gedruckt oder wie in unserem Fall als Audiotour umgesetzt werden.

Texte in Leichter Sprache richten sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie sind nicht nur besonders verständlich, sondern reduzieren Inhalte auf die wichtigsten Aspekte. Außerdem erläutern sie Begriffe, die nicht vorausgesetzt werden können.

Auch die verständliche Sprache will Texte entlasten – ohne jedoch Inhalte zu reduzieren.  Attraktiv an diesem Konzept ist, dass es sich an eine sehr breite und vielfältige Zielgruppe richtet. Das können ebenfalls Menschen mit Lernschwierigkeiten sein, aber auch

  • Menschen mit Deutsch als Zweitsprache
  • Menschen geringen Bildungsstands
  • besonders junge oder alte Menschen
  • Laien

Je nach Zielgruppe entscheidet man, wie genau ein Text bearbeitet wird. Um die Verständlichkeit zu verbessern, gibt es dabei eine Reihe von Emfehlungen auf Wort-, Satz- und Textebene. Viele davon decken sich mit unserem Leitfaden zum Schreiben von Audiotouren: Auf Wortebene gilt es beispielsweise, Verben anstelle von Substantiven einzusetzen. Sicher eine der wichtigsten Änderungen, die wir bei unseren audiojournalistischen Redaktionen vornehmen! Für gleiche Dinge nutzt man gleichbleibende Begriffe, anstatt, wie wir es alle in der Schule gelernt haben, immer wieder zu variieren (und dadurch Verwirrung zu stiften). Ein Elefant ist und bleibt ein Elefant – kein Rüsseltier, Dickhäuter oder grauer Riese.

Doch natürlich gibt es auch Unterschiede: Wer einen Text in verständlicher Sprache verfasst, sollte auf „gebräuchliche “ Worte zurückgreifen. Dafür liegt uns bei den klassischen Audioführungen oft die sprachliche Vielfalt zu sehr am Herzen. Worte wie „linkisch“ oder „dräuen“ müssen – wenn man es der Zielgruppe zumuten kann – doch einfach vor dem Vergessen bewahrt werden! Vor allem, wenn sie einen Text bildhafter, anschaulicher machen.

Um einen Text in verständlicher Sprache zu erhalten, gilt es, die Vorlage Wort für Wort zu durchkämmen. Durchkämmen? Dieses Wort sollte beispielsweise ersetzt werden, da sprachliche Bilder zu Missverständnissen führen können, wenn sie dem Zuhörer nicht bekannt sind. Der Teufel steckt im Detail, und was in der Theorie einleuchtend einfach erscheint, entpuppt sich bei der Umsetzung oft als schwierige Knobelei. Besonders wenn Worte und Formulierungen mehrere Bedeutungsebenen haben, ist es schwer, ein korrektes „verständliches“ Pendant zu finden. Insbesondere im Bereich der Kunstführungen mit ihren ganz eigenen sprachlichen Charakteristika.

Für uns war die Fortbildung ein großer Gewinn. Denn die Empfehlungen sind nicht nur für Texte in verständlicher Sprache hilfreich, sondern darüber hinaus für jeden Text, den man in die Finger bekommt. Wie weit man ihnen Folge leistet, bleibt dabei individuell zu entscheiden. 

Führungen in Leichter Sprache haben wir bislang für das Haus der Kunst München, die Karl Marx Jubiläumsaussstellung in Trier, das Kreismuseum Wewelsburg in Paderborn und für Schloss Rochsburg verwirklicht. Wann setzen wir den ersten Text in verständlicher Sprache um? Wir sind bereit!