Die „Leichte Sprache“ ist aktuell in aller Munde und war ein zentrales Thema auf der letzten Museumsmesse, der MUTEC 2018 in Leipzig. Träger öffentlicher Gewalt in Deutschland sind nach dem Behindertengleichstellungsgesetzt dazu verpflichtet, vermehrt Texte in Leichter Sprache anzubieten. Sicher einer der Gründe, warum auch immer mehr Museen sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Neben der Leichten Sprache gibt es noch weitere Konzepte, anhand derer Texte zugänglicher gemacht werden sollen. „Verständliche Sprache“ und „einfache Sprache“ sind beispielsweise Begriffe, denen wir von soundgarden immer häufiger begegnen. Wir wollten uns genauer informieren – und hatten Annika Hörenberg vom Netzwerk verständliche Sprache zu Gast, um uns weiterzubilden.

Zunächst zum Unterschied von „leichter“ und „verständlicher“ Sprache:

Für eine Übersetzung in Leichte Sprache gilt ein klar vorgegebenes Regelwerk, nachzulesen beispielsweise hier. Zur Zielgruppe gehören vor allem Menschen mit Lernschwierigkeiten. Ein Team aus der Zielgruppe prüft die übersetzten Texte auf ihre Verständlichkeit hin, bevor sie gedruckt oder – wie in unserem Fall – als Audioführung produziert werden.

Auch die „verständliche Sprache“ will Texte entlasten. Ziel ist dabei, keine Inhalte zu kürzen. Verständlichkeit soll vielmehr dadurch erreicht werden, dass  man verschiedene sprachliche Empfehlungen berücksichtigt. Wie ein Text bearbeitet wird, hängt dabei auch von der Zielgruppe ab. Das können Menschen

  • mit Lernschwierigkeiten,
  • mit Deutsch als Zweitsprache
  • mit geringer Bildung
  • besonders jungen oder hohen Alters

oder auch einfach Laien sein. Oder eine unbekannte Mischung aus all dem!

Viele der Empfehlungen für verständliche Sprache decken sich mit dem Leitfaden, in dem wir unsere Empfehlungen zum Schreiben von Audiotouren zusammengefasst haben. Auf Wortebene ist es beispielsweise sinnvoll, Verben gegenüber anderen Wortarten zu bevorzugen. Und anstatt, wie man es in der Schule gelernt hat, immer wechselnde Begriffe für eine gleichbleibende Sache zu verwenden, bleibt man lieber bei einem einzelnen. Besprechen wir eine Skulptur, ein bildhauerisches Werk, eine Steinfigur? Wichtig ist, dass dieses „Ding“ immer denselben Namen hat, damit man sich beim Zuhören auf die Inhalte konzentrieren kann. Aber natürlich gibt es auch Unterschiede zu unseren soundgarden-Schreibtechniken: Ein wichtiger Aspekt für verständliche Sprache ist es, „gebräuchliche“ Wörter zu verwenden. Da legen wir bei einer „normalen“ Audiotour manchmal mehr Wert auf sprachliche Vielfalt…

Weitere Empfehlungen gibt es für die Satz- sowie die Textebene. Wie immer steckt der Teufel im Detail, und was zunächst einfach umsetzbar klingt, entwickelt sich während der genauen Textbearbeitung zur Herausforderung. Dabei wird Satz für Satz, Wort für Wort, genau nach Möglichkeiten zur Verbesserung durchkämmt.
„Durchkämmt“? Der Begriff fällt unter die „sprachlichen Bilder“ und sollte deshalb in einem verständlichen Text vermieden werden.

Wir haben schon einige inklusive Führungen in Leichter Sprache verwirklicht, unter anderem für das Haus der Kunst in München, das Kreismuseum Wewelsburg in Paderborn, die Karl Marx Ausstellung in Trier. Wann machen wir die erste Tour in Verständlicher Sprache? Wir wären bereit…